Erschienen in 64'er Magazin, Ausgabe unbekannt · Originaldatei: BELL.TXT
Hinweis: Dies ist das an die Redaktion eingereichte Manuskript, nicht der gedruckte Endtext. Layout, Bildunterschriften, Korrekturen und Kürzungen der Redaktion können in der veröffentlichten Fassung abweichen.
Der Bell-Generator
Dieses Programm simuliert das beispielsweise in Amerika übliche »Touch-Tone-Wählverfahren« beim Telefon. Über den Soundchip SID werden exakt die benötigten Frequenzpaare erzeugt. Der C 64 läßt sich beispielsweise zur Fernabfrage von Anrufbeantwortern einsetzen. Eine Option zur Simulation der »blue box« ist enthalten. Na, ist das nicht Banane?
Nikolaus M. Heusler
Das ist auf der ganzen Welt gleich: Wer jemanden anrufen will, muß erst eine Nummer wählen, die das Telefon an die Post weiterleitet, damit dort die Verbindung geschaltet wird. Unterschiedlich ist die Art der Nummernübertragung. In Deutschland gilt das sogenannte »Impulswahlverfahren«, bei dem die Anzahl der gesendeten Impule der gewählten Ziffer entspricht. Die Ziffer 0 entspricht zehn Impulsen. Wählen Sie beispielsweise die Feuerwehr-Nummer 112, sendet die Wählscheibe oder Tastatur Ihres Apparates erst einen Impuls, dann nach kurzer Zeit noch einen, und schließlich zwei direkt aufeinanderfolgende Impulse. Postintern gibt es noch die »Ziffern« 11 und 12, mit denen Sonder- und Prüffunktionen ausgelöst werden. Dieses Verfahren ist veraltet, früher konnten die Hebdrehwähler, spezielle mechanische Relais auf dem Postamt, damit direkt ausgelöst werden.
Dagegen ist insbesondere in den Vereinigten Staaten, aber auch beispielsweise bei Haustelefonanlagen in Europa das Frequenzwahlverfahren verbreitet. Hier sendet das Telefon bei jeder gewählten Ziffer gleichzeitig zwei Töne unterschiedlicher Frequenz als Sinussignale, anhand derer die Vermittlungsstelle die Rufnummer decodiert. Moderne Telefone lassen sich zwischen beiden Verfahren umschalten.
Aber auch der C 64 kann mit Hilfe seines Soundchips SID Frequenzen erzeugen, die den des Frequenzwahlverfahrens entsprechen. Das Programm »Bell-Generator«, ein reines Basicprogramm, erzeugt auf Tastendruck alle Töne und auch die Spezialcodes. Es kann aus Gründen der Kompatibilität zwischen zwei Betriebsarten umgeschaltet werden. Besitzen Sie einen Anrufbeantworter mit Fernabfrage? Dann brauchen Sie das kleine (und teure) Zusatzkästchen nicht, wenn Sie den Beantworter an einer Stelle abhören möchten, an der sich ein C 64 mit dem Bell-Generator befindet. Das Programm könnte auch für das Wählen intern beispielsweise in Firmen Anwendung finden.
Laden Sie das Programm mit dem Befehl
LOAD "BELL-GENERATOR",8
Der Start erfolgt normal mit RUN. Nach wenigen Sekunden ist der Generator betriebsbereit, ein roter Punkt erscheint am Bildschirm. Hier ist außerdem das Menü zu sehen.
Mit den Zifferntasten <0> bis <9> wählen Sie wie gewohnt. Die Töne kommen dabei aus dem Lautsprecher, an den Sie ggf. den Telefonhörer halten sollten. Die Sonderzeichen <*> und <#> lassen sich durch Betätigung der entsprechenden Tasten ebenfalls abrufen. Unten am Bildschirm zeigt das Programm die erzeugten Frequenzen in Hertz für Tongenerator A und B an. Die Anzeige einer Null bedeutet, daß der entsprechende Generator abgeschaltet bleibt, zwei Nuller erscheinen, wenn diese Taste im aktuellen Modus nicht vorgesehen ist. Die Töne erklingen, solange die jeweilige Taste gedrückt bleibt.
Die übrigen Funktionen sind vor allem für »Phone Freaks« interessant. Mit den Tasten B und T schalten Sie die beiden Betriebsarten um: T wählt das Touch-Tone-Verfahren, B emuliert eine »Blue Box«, ein geheimnisvolles Kästchen, mit dem Bastler in Amerika kostenlos telefonieren können. Die beiden Verfahren unterscheiden sich vor allem in den Frequenzen, die gesendet werden. Im Blue-Box-Modus können die Symbole <*> und <#> nicht gewählt werden, dafür sind nur hier die Funktionen A, Z und D wirksam. Die aktivierte Betriebsart wird durch einen roten Punkt neben der entsprechenden Funktion am Bildschirm angezeigt.
Die Taste E schaltet den Tongenerator ab und beendet das Programm.
Die Tasten A und Z erzeugen im Blue-Box-Modus die Spezialsignale KP (Start) und ST (Stop), die vor bzw. nach die Rufnummer gesetzt werden müssen. Mit der Taste D ruft man bei der Blue Box das Disconnect-Signal (Trennsignal) auf, mit dem ebenfalls in erster Linie »Freaks« etwas anzufangen wissen. Der Ton besteht nur aus einer sehr hohen Frequenz.
Möchten Sie das Programm aktiv anwenden, etwa um einen Anrufbeantworter abzuhören, müssen Sie ausprobieren, in welcher der beiden Modi Sie das Gerät »versteht«. Auch ist es unter Umständen ein Experiment, die richtige Lautstärke am Monitor und den richtigen Abstand von Telefonhörer (Sprechmuschel) und Lautsprecher zu finden.
Abschließend eine knappe Erklärung der Interna: Die Töne werden mit den Stimmen 1 und 2 des SID erzeugt. Da der SID des C 64 keine sinusförmigen Signale erzeugen kann, wurde die Wellenform gewählt, die dem Sinus am nächsten kommt: Das Dreieck. Die Frequenzen sind im Programm in DATA-Zeilen gespeichert und werden zu Beginn in das Array FQ(A,B,C) eingelesen. Dabei steht A für den Modus (0 = Touch-Tone, 1 = Blue Box), B für die Taste (0 - 9 = Ziffern, 10 = Stern, 11 = Raute, 12 = KP, 13 = ST, 14 = Disconnect), und C für die Stimme 0 oder 1. Die Frequenzen (in Hz) lassen sich aus folgender Tabelle ablesen:
1. Touchtone-Verfahren
Taste Gen. A Gen. B
0 1336 941
1 1209 697
2 1336 697
3 1477 697
4 1209 770
5 1336 770
6 1477 770
7 1209 852
8 1336 852
9 1477 852
* 1209 941
# 1477 941
2. Blue-Box Emulation
Taste Gen. A Gen. B
0 1500 1300
1 900 700
2 1100 700
3 1100 900
4 1300 700
5 1300 900
6 1300 1100
7 1500 700
8 1500 900
9 1500 1100
KP 1700 1100
ST 1700 1500
DISCON. 2600 aus
Literatur: Chaos Computer Club, Die Hackerbibel, Teil 1, Löhrbach: Der grüne Zweig 98, ISBN 3922708986, Seiten 179 bis 255