Erschienen in 64'er Magazin, Ausgabe 01/1994 · Originaldatei: COMP_KIT.TXT
Hinweis: Dies ist das an die Redaktion eingereichte Manuskript, nicht der gedruckte Endtext. Layout, Bildunterschriften, Korrekturen und Kürzungen der Redaktion können in der veröffentlichten Fassung abweichen.
| Objekt | 64'er Magazin |
|---|---|
| Ausgabe | 01/1994 |
| Rubrik | Stoffbärtest |
| Redakteur | Heinz HB |
| Autor | Nicki Heusler, XXX/XXXXXX |
| Datum | 06.11.1993 |
| Thema | Stoffbärtest: Compression Kit 1.00 |
64'er Test: The Compression Kit V1.00
Sicher ist sicher!
Auch wenn es oft mühsam ist: Um Sicherheitskopien wichtiger Programme kommt man nicht herum. Das Compression Kit aus Amerika wird als völlig neuartiges Kopierprogramm angeboten: Funktionen wie Packer und Archiv kennt man sonst eigentlich nur vom PC. Leider ist auch dieses Programm nicht ganz ohne Schattenseiten.
von Nikolaus Heusler
Was bei größeren Firmen längst eine Selbstverständlichkeit ist, wird allmählich auch bei privaten Anwendern beliebt: Sicherheitskopien (»Backups«). Von wichtigen Programmen und Dateien sollte einmal pro Woche eine komplette Kopie hergestellt werden, die dann im Falle eines Defekts des Originals verwendet wird. Leider ist das Kopieren eine umständliche und zeitaufwendige Angelegenheit, und auch die Tatsache, daß Kopien wieder Datenträger erfordern, war bisher eine Hemmschwelle. Auf PCs sind »Archiv-Programm« wie »PKZIP« oder »PC ARC« verbreitet, die mehrere Dateien (bis hin zur kompletten Diskette bzw. Festplatte) verkürzt in ein einziges File packen. Zumindestens einen Teil des Leistungsumfangs solcher Programme gibt es in Form des »Compression Kit« von Mad Man Software jetzt auch für den C 64.
Dongle schützt Programm vor sich selbst
Das Programm wird auf einer Minidiskette zusammen mit einem knapp 60 seitigen englischen Handbuch und dem Dongle geliefert. Letzteres stellt einen sehr eleganten Schutz vor unerlaubter Kopierung des Programms dar: Das Kit arbeitet nur, wenn der Dongle-Stecker (Bild 1) im Joystickport steckt. Die eigentliche Programmdiskette ist nicht kopiergeschützt: Raubkopien sind ohne den Adapter nicht lauffähig. Ein lobenswertes, weil sehr anwenderfreundliches Verfahren.
Die Bedienung des Compression Kits erfolgt über eine einigermaßen selbsterklärende Menüführung auf englisch. Im Hauptmenü wird gewählt zwischen dem Kopieren einzelner Dateien, einer gesamten Diskette, dem Packen und Entpacken einzelner Programme in ein Archiv und dem Packen und Entpacken einer kompletten Diskette. Die einzelnen Teile werden dann von der Systemdiskette nachgeladen, was kurze Zwangspausen von wenigen Sekunden erzwingt. Leider zeigt das Tool nicht an, daß es gerade mit dem Nachladen beschäftigt ist. Das Programm unterstützt nicht nur die normalen Commodore-Laufwerke 1541, 1571 und 1581, sondern auch Geräte von CMD. Wir haben das Kit mit einer 1541 und der FD-4000 von CMD (3,5 Zoll Laufwerk) getestet.
Bei allen Funktionen kann als Quell- und Ziellaufwerk jede Kombination aus den angeschlossenen Laufwerken eingestellt werden. Bei den Laufwerken, wo dies vorgesehen ist, müssen außerdem die Partition bzw. der Pfad eingestellt werden. Das Programm erkennt selbst, welche Geräte gerade angeschlossen sind und den jeweiligen Typ: Zum Beispiel müssen Sie bei der 1541 weder Unterverzeichnis noch Partition angeben, da dieses Laufwerk diese Einteilung gar nicht kennt. Eine kleine Schwäche im Detail: Entscheidet man sich für das CMD-Laufwerk, und möchte vorher eine Diskette formatieren, so ist das vom Compression-Kit aus nicht möglich: Die Disk-Befehl-Funktion läßt sich erst aufrufen, nachdem die Partition gewählt wurde. Auf unformatierten Disketten gibt es aber keine Partitions.
Hat man sich beispielsweise für das File-Kopierprogramm entschieden (Kopieren, Verlegen oder Löschen von Dateien), werden in einem Fenster bequem aus einer Liste die zu bearbeitenden Files ausgewählt. Auf Tastendruck wird der Vorgang gestartet. Der Versuch, auf eine schreibgeschützte oder nicht vorhandene bzw. fehlerhafte Floppy zu schreiben, wird erkannt und gemeldet. Allerdings muß dann die Auswahl leider neu erfolgen.
Kleine Macken
Eine andere Spezialität des Programms wirkt sich noch schlimmer aus: Die Einzel-Kopierfunktion ist offenbar nicht auf den Betrieb mit nur einem Laufwerk ausgelegt. Kopiert man von einem Laufwerk auf das selbe Drive, erscheint keine Aufforderung, die Quell- oder Zieldiskette einzulegen. Stattdessen liest das Programm erst die Datei, die es dann sofort auf die selbe Diskette speichern will. Dabei kommt es unvermeidbar zum »FILE EXISTS« Error und die Frage, ob das File überschrieben werden soll, erscheint. Jetzt könnte man theoretisch die Floppy wechseln. Allerdings finden wir das äußerst unschön, weil es den Nutzen des Programms für Besitzer von nur einem Laufwerk doch erheblich mindert. Immerhin kann eine komplette Diskette mit nur einem Laufwerk auf einen anderen Datenträger kopiert werden: Bei diesem Unterprogramm erscheint die Aufforderung zum Wechsel.
Da nur das normale Commdore-Datenformat berücksichtigt wird, eignet sich das Compression Kit nicht für die Vervielfältigung kopiergeschützter Software.
Die gelesenen Files speichert das Programm in einem Puffer, der 148 Blocks (zu je 254 Bytes) faßt. Der Puffer ist nicht besonders groß und schnell voll, was aber bei Verwendung von zwei Diskettenstationen keinen Nachteil in Bezug auf die Geschwindigkeit bewirkt.
Probeweise haben wir gestoppt, wie lange das Programm zur Kopierung von zwei Dateien mit je 61 bzw. 62 Blocks von der 1541 auf das CMD-Laufwerk braucht: etwas über drei Minuten sind es, wenn man auf die automatische Überprüfung der Zieldiskette nicht verzichten will. Kein besonders toller Wert. Schaltet man die Verify-Funktion ab, dauert es etwa 2,5 Minuten.
Während des Kopierens zeigt das Programm auf dem Bildschirm ständig an, was es gerade macht: Im Statusfeld findet man Hinweise darüber, welche Dateien gerade geöffnet, gelesen, geschrieben, geprüft oder geschlossen werden (Bild 2). Das untere Feld symbolisiert den Puffer, man kann hier recht schön verfolgen, wie weit das Programm schon gekommen ist. Allerdings wird möglicherweise das letzte File, das noch in den Puffer aufgenommen wurde, nicht verifiziert, jedenfalls erscheint im Puffer-Feld keine Anzeige dafür.
Datei-Archivierung
Zweifelsohne ist der »Archivierungs«-Programmpunkt der interessanteste und originellste des Compression-Kit. Er unterscheidet sich in der Bedienung zunächst nicht vom Kopieren einzelner Files: Auch hier gibt der Anwender nach der Laufwerks-Einstellung an, welche Dateien in das Archiv aufgenommen werden sollen. Unter »Archiv« versteht man das Datenfile, das in gepackter Form alle Dateien enthält. Die ersten zwölf Zeichen des Archiv-Dateinamens können Sie frei eingeben, dahinter setzt das Programm eine spezielle Kennung. Ein Nachteil gegenüber dem PC-Vorbild: Um das Archiv wieder zu entpacken und in die ursprünglichen Einzeldateien zu zerlegen, ist wiederum das Compression Kit erforderlich. Es ist nicht möglich, sich selbst entpackende PRG-Files zu erzeugen. Außerdem werden beim Entpacken immer alle Dateien aus dem Archiv herausgezogen, eine Selektion ist nicht vorgesehen. Vor dem Entpacken können Sie die Archive untersuchen: Das Programm zeigt die Namen aller darin enthaltenen Files an. Ebenso kann kein Archiv nachträglich mit weiteren Dateien aufgestockt werden.
Wir haben natürlich auch diese Funktion genau getestet: Zwei Dateien (Basicprogramme) mit zusammen 123 Blocks wurden in etwa vier Minuten von einer 1541-Diskette auf das kleine CMD-Laufwerk in ein Archiv überspielt, das danach als 112 Blocks lange Datei vorlag. Rechnet man diese Kompressions-Quote von 91% auf die Gesamtkapazität von 664 Blocks einer 1541-Diskette hoch und berücksichtigt dabei, daß auf eine 3,5 Zoll-Floppy beispielsweise 3160 Blocks passen (je nach Formatierung), so stellt man fest, daß sich etwa fünf 1541-Disketten auf einer einzigen kleinen Disk unterbringen lassen. Ein beeindruckendes Ergebnis. Je nachdem, welche Art von Files im Archiv stehen, können es auch mehr (oder weniger) sein. Sie könnten nun beispielsweise einige Disketten anlegen, auf denen nur Archive mit Sicherheitskopien vorhanden sind.
Im Programm sind noch vier Menüpunkte vorhanden, mit denen eine komplette Diskette (1541, 1571, 1581 oder CMD) in ein einziges File ge- und entpackt werden kann. So etwas ist sehr nützlich, wenn eine Sicherheitskopie einer ganzen Diskette benötigt wird.
Unter dem Strich
Das englische Handbuch beschreibt leicht verständlich die Anwendung des ansonsten weitgehend selbsterklärenden Programms und gibt Tips für die Anwendung. Man bekommt für den Preis von DM 75,00 zwar einiges an Programmleistung, für so viel Geld darf man allerdings etwas mehr Liebe zum Detail erwarten. Das Compression ist möglicherweise eine Nummer zu groß für den, der nur ein einfaches Kopierprogramm sucht. Wenn Sie allerdings oft Sicherheitskopien anlegen möchten, ist das Programm sicherlich eine gute Wahl.
Nikolaus Heusler/hb
The Compression Kit V1.00
ist ein Utility-Paket, das die Funktionen von Kopier- und Archivierungsprogrammen und Packern in sich vereint. Neben den Typen 1541, 1571 und 1581 werden auch Laufwerke von CMD verarbeitet.
Positiv:
- selbsterklärendende Menüführung
- sehr gut gegen Bedienungsfehler gesichert
- interessante Idee: Archive
- flexible Dateiauswahl
- abschaltbares Verify
Negativ:
- Handbuch englisch
- relativ hoher Preis
- keine Anzeige beim Nachladen
- ungeeignet für nur ein Laufwerk
- Packer-Wirkungsgrad gering
- Speeder nicht sehr effektiv
Wichtige Daten:
Produkt: The Compression Kit V1.00 by Gene Barker
Preis: DM 75,00
Bezugsquelle: CMD direkt, Postfach 58, A-6410 Telfs, Österreich, Tel. (0043) 5262-66080
Bild 1. Das Dongle sieht ein wenig wie Plastik-Sprengstoff ausBild 2. Der Bildschirm während des Kopiervorgangs